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Metropolitalia

EIN INTERAKTIVES OBSERVATORIUM FÜR SPRECHER UND SPRACHWISSENSCHAFTLER

Die aktuelle Situation des Italienischen ist durch tiefgreifende Restandardisierungsprozesse gekennzeichnet, die vor allem durch die zunehmende Akzeptanz von Merkmalen aus der gesprochenen Sprache getragen werden.

Es handelt sich jedoch keineswegs um eine einheitliche Entwicklung, die den gesamten nationalsprachlichen Raum gleichermaßen erfassen würde, sondern vielmehr um regional divergierende und konkurrierende Tendenzen.

Dabei sind die Existenz regionalspezifischer Formen und die regionalspezifische Markierung überregional verbreiteter Formen zu unterscheiden: Ein und dasselbe sprachliche Merkmal kann in unterschiedlichen Regionen sowohl im Blick auf die Art seiner Markiertheit als auch hinsichtlich seiner Standardhaftigkeit also durchaus unterschiedlichen Status haben. So kann eine Konstruktion im Norden völlig akzeptiert, im Süden dagegen sozial und/oder regional auffällig sein usw. Das deskriptive, italianistische Ziel des Projekts ist es, die prägende Kraft der Großstädte bei der Verbreitung und Durchsetzung dieser ‘neostandard’-Formen herauszuarbeiten.

Das Vorhaben Metropolitalia steht einerseits in der Tradition der Varietätenlinguistik; es wird jedoch andererseits von der Überzeugung getragen, dass die Sprachwissenschaft sich nicht mit der Beobachtung des Sprachgebrauchs und der daraus abgeleiteten Rekonstruktion der Sprecherkompetenz begnügen darf; vielmehr ist es zur Lösung grundlegender Probleme unbedingt nötig, auch auf das Wissen der Sprecher über ihren eigenen Sprachbesitz und über die Sprechweisen ihrer Sprachgemeinschaft(en) im allgemeinen sowie ihrer engeren Kommunikationspartner im besonderen zurückzugreifen.

In der Geschichte der Sprachwissenschaft ist faktisch immer schon Laienwissen (der Sprecher) ins Expertenwissen (der Sprachwissenschaftler) eingeflossen; allerdings wird der damit verbundene epistemologische Transfer kaum thematisiert, worunter speziell die Sprachgeschichtsschreibung leidet.

Vor allem die systematische und reflektierte Erschließung des aktuellen Sprecherwissens gehört jedoch zu den wirklich vordringlichen Desideraten der gegenwärtigen Sprachwissenschaft; es soll deshalb eine Tagging-Plattform eingerichtet werden, die einerseits der Gewinnung von Rohdaten (Merkmalen des Regionalitalienischen) und andererseits dem multidimensionalen Tagging dieser Rohdaten dient.

Die Plattform richtet sich grundsätzlich an alle sprachinteressierten Sprecher des Italienischen; darüber hinaus bedient sie durch den Aufbau einer varietätenlinguistischen Datenbank auch spezielle Interessen des Linguisten.

Thomas Krefeld

 

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